Morgens früh, noch vor Sonnenaufgang, um das Kreuz auf dem Gengenbacher Friedhof versammelt, kann man miterleben, wie uns ein Licht aufgeht.
Ansprache: Moritz Martiny

Schriftlesung Hören wir in der Schriftlesung von der Auferstehung. Ich lese das Osterevangelium nach Markus im 16. Kapitel.

Als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.
Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.
Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.
Er aber sprach zu ihnen: “Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.”
Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.
Amen.


Ansprache„Mir geht ein Licht auf!“
Es ist der Ostermorgen
Noch ist es ganz schön dunkel.
Aber ganz leicht beginnt die Sonne aufzugehen.
Die Vögel haben es schon gemerkt und auch mir geht langsam aber sicher ein Licht auf.
Es ist Ostermorgen
Noch ist es ganz schön dunkel.
Aber der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.
Die Frauen am Grab haben es schon gemerkt und auch mir geht langsam aber sicher ein Licht auf.
Die Redewendung „Mir geht ein Licht auf“ ist eine der vielen Redewendungen unserer Sprache, die ihren Ursprung in der Bibel haben.
Zuerst beim Propheten Jesaja, wie wir es immer in der Adventszeit hören.
Der Evangelist Matthäus beruft sich darauf und beschreibt den Beginn von Jesu Wirken mit den Worten Jesajas (Mt. 4,16): „Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen im Land und Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.“
Dem Volk ist ein Licht aufgegangen. Aber nicht irgendein Licht, sondern das Licht des Lebens, das wahre Licht selbst, Gott.
Es ist Ostern: Mir geht ein Licht auf. Nicht irgendein Licht, sondern das Licht des Auferstandenen.
„Mir geht ein Licht auf!“ ist eine Redewendung, die es wert ist genauer durchleuchtet zu werden.
Sie beginnt mit „Mir“ und allzu leicht fällt man darauf herein und denkt, dass das etwas ist, das ich mache. So wie in „ich habe es jetzt verstanden!“
Aber das stimmt gar nicht. Denn nicht ich bin derjenige, der dabei handelt, sondern es geschieht etwas mit mir.
Das Licht geht auf, ohne mein Zutun.
Das Licht geht mir auf:
So wie die Sonne ohne mein Zutun über mir aufgeht,
so geht auch das Licht des Lebens über mir auf – ohne, dass ich etwas dafür getan hätte.
Mir ist Jesus auferstanden.
Jetzt, um kurz nach sechs, ist es noch ganz schön dunkel hier draußen.
Meinen Aufschrieb kann ich nur mir einem Klemmlicht entziffern.
Aber es lässt sich schon nicht mehr leugnen, die Sonne ist bereits am Aufgehen.
Mit jeder Minute wird es heller.
Jetzt, im Jahr 2021, ist viel Dunkel um uns.
Wir leben gerade in einer schwierigen Zeit.
Wir feiern Ostern in einer schwierigen Zeit. Wir nennen es gerne „finstere Zeiten“, „dunkle Zeiten“, wenn das Leben schwer fällt.
Aber seit Jesu Auferstehung wird es heller. Das Licht des Lebens ist am Aufgehen.
Als Christen sollten wir dieses Licht des Lebens bereits erahnen.
Ich finde, wir sollten sein wie all die Singvögel heute morgen.
Die Amseln, die Finken und all die anderen Singvögel, veranstalten hier ein lautes Konzert, ein unfassbaren Radau, weil bald die Sonne aufgeht.
Die Vögel brauchen noch nicht einmal den sprichwörtlichen Silberstreif am Horizont. Da reicht schon viel weniger und es wird gezwitschert, dass der Schnabel wackelt.
Und wir? Was tun wir?
Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Das ist viel mehr als nur ein Silberstreif am Horizont des Heils.
Mir ist ein Licht aufgegangen. Dieses Licht des Lebens ist schon viel weiter als das bisschen Tageslicht, das die Vögel brauchen um loszuzwitschern.
Jetzt muss ich das nur noch meinen Gedanken, meinen Gefühlen, meinem Herz und meinem Schnabel erklären.
Das Licht der Auferstehung, das Licht des Lebens scheint bereits.
Mir ist das Licht aufgegangen.
Es ist Ostermorgen. Es ist Ostermorgen.
Uns ist das Licht aufgegangen und
ich wünsche uns, dass wir dies begreifen.
Ich wünsche uns, dass wir nicht das Dunkel sehen und vom Leid reden, sondern dass wir das Licht sehen und von seiner Herrlichkeit reden.
Ach, was sag ich: Lasst unsere Seele jubeln, singen, musiziern, pfeifen, zwitschern, tirilieren. Ostern will nun einmarschieren.
Mir ist ein Licht aufgegangen, denn Jesus lebt und mit ihm auch ich. Amen